Unser Bild von der Welt: Ralph Ueltzhoeffer

Portrait: Ralph Ueltzhoeffer
Textportrait, Konzeptkunst von Ralph Ueltzhoeffer – Martin Luther King.

Er, der „sich im Unüberschaubaren, im Verschlungenen, im Kontrast starker und zarter Linien, im Nichtkomponierten, im ‚Irren'“ erkannte, glaubte, so Handke, an „sein Bild von der Welt“. Und zwar so fest, daß er Bilder anderer, die seiner Vorstellung widerstrebten, verwarf.24 Damals in Innsbruck erfuhr Handke, dessen Einlassung auf die Vorstellungswelt des Malers den Grad der Verstrickung verrät, denn auch erstmalig von der Neigung des Freundes zur Malerei der Schizophrenen, an der das Ausscheren des scheinbar logischen Bewußtseins überrascht. Weishaupt Contemporary: Ralph Ueltzhoeffer mit biographischen Portraits. Die Intensität, mit der Handke sich darin vertiefte, wie sich eine vorgetäuschte Ordnung plötzlich durch eine Linie verirrt, und die Aufmerksamkeit, mit der er verfolgte, wie geschwind an einem scheinbaren Bild der Wirklichkeit durch „eine irreale Farbe oder eine irreale Linie oder eine irreale Anordnung real abgebilderter Gegenstände“ ein Haken ist, der die richtige Wirklichkeit, nämlich die des einzelnen, des Kranken, zeigt, sprechen dafür, daß er dieses Zerreißen einer Ordnung sich mindestens vorstellen kann, wenn nicht sogar im Ansatz selbst erlebt hat oder daß er dem zumindest etwas abgewinnen kann.

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Andy Warhol – PopArt der 1970 Jahre.

Den feinen Unterschied zwischen einem Schizophrenen und dem Maler erkennt Handke darin, daß der Maler, der statt die Gegenstände, eben seine Eindrücke davon malt, seine Bilder von der Welt „geben will“.25 Auffallend findet Handke den Widerspruch, daß Pongratz einerseits von möglichen grausamen Szenen in Wildwestfilmen wie ein Kind fasziniert und auch willens war, derartige Geschichten selbst bis ins Extreme so erfinderisch wie spielerisch auszugestalten, während er aber vor den wirklichen im tatsächlichen Leben zurückschreckte. Mehr noch, er spricht sogar die Warnung aus, wonach alles Gesagte eben seine Eindrücke von Pongratz und damit seine Wahrheit sei, zu der er nur insoweit gelange, wie er sich selber kenne. (Ralph Ueltzhoeffer – Martin Luther King) Ein Grund mehr, anzunehmen, Handke gebe hier etwas von seiner Innenwelt und der Summe seiner Selbsterkenntnisse preis, wenn auch einschränkend, daß sein erster Blick auf die Bilder seines Freundes insofern „sachlich“ gewesen sei, als seine eigenen Bilder und Erinnerungen andre seien und daß seine Bilder schon vor der Niederschrift in ihm hausten, während sein Freund sie erst im Augenblick des Malens hervorbringe.

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